|
Wir
nehmen Abschied von Afrika. Mit Verspätung. Dafür fliegen wir ins Morgenrot.
Kapstadt und der Tafelberg wird für uns, des Abschieds würdig, malerisch beleuchtet.
Den
ersten Kulturschock haben wir bereits hinter uns. Am Check-in grüßt uns
Deutschland. Es ist hektisch, jeder drängelt und nölt was er kann - Wir freuen
uns auf zu Hause. Der Flieger bringt uns bis nach Hamburg, allerdings mit Zwischenstopp
auf bayerischem Boden.
Die
Zeit reicht für ein Weißwurst-Spätstück. Gelassen betrachten wir die Schwarzkittel
mit Aktenkoffer, Blackberry, iPhone und Laptop. Alles drängelt, ist hektisch.
Warum eigentlich? Im Flieger gibt es numerierte Plätze und los geht es erst,
wenn alle drin sind. Ersetze Schwarzkittel durch bunte Klamotten, Aktenkoffer
durch Kleinkind und Laptop durch Ziege oder Huhn. Dann geht es hier genauso zu
wie auf jedem afrikanischen Buschtaxibahnhof. Flieger sind die Buschtaxis der ersten
Welt.
Ankunft
in Hamburg. In München waren es noch 18°C, hier sind es nur noch 6°C. Der Kulturschock
setzt sich fort, positiv wie negativ: Die Menschen kommen uns auf der „falschen"
Seite entgegen. Kaffee schmeckt auch ohne Zucker wieder. Die Sonne bewegt sich
falsch herum und steht im Süden statt im Norden. Das Kreuz des Südens hat mit
dem kleinen Wagen getauscht. Deutsche Nachrichten gehen (außer USA und
Russland) über die EU nicht hinaus. Für Afrika interessiert sich hier keine
Sau. Nur Massensterben führt zu Schlagzeilen. Beim Überqueren der Straße müssen
wir uns wieder an den Blick zur richtigen Seite gewöhnen.
Das
Schiff mit unserem Auto hat die Verspätung nicht wie erhofft eingeholt, sondern
sich noch mehr verspätet. So bleibt uns Zeit bei Freunden, die wir in Afrika
kennengelernt haben, vorbeizuschauen. Sie sind alle schon zurück von einer
längeren Reise und verhelfen uns zum Ankommen in homöopathischen Dosen im ganz
normalen Wahnsinn. Große Koalition, Rauchverbot, Umweltplaketten. Auf die
Politik ist Verlaß, es wird an den wirklich wichtigen Themen gearbeitet.
Die
ersten Tage verbringen wir bei Sönke und Katrin, die wir in Malawi kennen
gelernt haben. Entspannte Tage mit Bilder gucken, Deichwanderungen, fein Essen
(auch am Deich gibt es Kudu und Krokodil) und langsames Eingewöhnen. Bei mir
gewöhnt sich auch langsam eine Erkältung ein.
Neues
aus dem Hafen. Das Schiff mit unserem Auto hat zwei Wochen Verspätung. Der
ursprüngliche Plan, verschiedene Leute auf dem Heimweg zu besuchen, fällt aus.
Also Plan B, ein Mietwagen muss her. Die Preise für Mietwagen habe ich im
Internet schneller, als sich bei Bahn.de die Verbindungsseite aufbaut. Manche
Dinge ändern sich einfach nicht. Eh wurscht, da die Bahn nicht nur zu spät,
sondern auch zu teuer ist, selbst bei hiesigen Spritpreisen. Doch auch ein
Mietwagen ist nicht so einfach zu haben. Denn den gibt es nur mit nationalem
Führerschein und der liegt zu Hause. Der Internationale ist hier nichts wert.
Barbaras Schwester läßt uns den Nationalen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion via
UPS zukommen.
Am
Steinhuder Meer treffen wir Anne und Wilfried und schwelgen in Namibia-Erinnerungen.
Bei Ulla und Fred in Minden lassen wir unsere Sambiaerlebnisse Revue passieren.
Ganz langsam gewöhnen wir uns wieder an Deutschland. Doch manche Dinge können
und wollen wir noch nicht ablegen. Trotz der Kälte verbringen wir viel Zeit an
der frischen Luft, haben wir doch nun ein Jahr draußen gewohnt. Auch unser
Lagerfeuer vermissen wir. Schnell ist mit Fred aus einer alten
Renault-Halbfelge eine Feuerstelle geschweißt. Abends sitzen wir am Feuer und
backen Stockbrot. Afrika läßt grüßen.
Cvrĉak ist da. Mit Hilfe der Spedition finden wir „unseren"
Container im Hamburger Freihafen. Der ist schnell geöffnet. Neben uns ein
großer Container mit Ziel Afghanistan. Er ist voll beladen mit Autos, doch der
Zoll will vorher noch einen Blick darauf werfen. Die Händler stehen frustriert
herum, haben sie doch die Fahrzeuge als Diebstahlschutz mit dem Container
verschweißt. Nun stehen sie da mit der Flex und dem Gabelstapler. Wir haben
mehr Glück beim Zoll. Erst wird unser Carnet de Passage ungläubig bestaunt
(Diese Blicke kennen wir aus Afrika). Doch mit Überprüfung der
Fahrgestellnummer und einem Blick ins Auto ist man zufrieden. Mit einem
Passierschein verlassen wir den Freihafen.
Auf
dem Weg nach Süden schauen wir noch mal bei Fred und Ulla vorbei. Die
Renaultfelge nehmen wir mit, so schnell wollen wir auf unser Lagerfeuer nicht
verzichten.
Haben
wir uns nicht immer gewundert wie klein die Welt in Afrika ist, klein ist sie
auch hier. Auf dem Weg nach Süden überholt uns ein Audi-Kombi auf
der Autobahn. Nein, er fährt neben uns. Was will der denn? Als ich genauer
hinschaue, winkt die Dame auf dem Beifahrersitz wie wild. Im meinem
Hirnkästchen läuft lautstark der Vergleich des Anblicks mit meiner Personendatenbank
ab. Ich werd' verrückt, das sind tatsächlich Susanne und Axel neben uns,
Freunde aus München.
Nach einem Jahr rollen wir langsam
in der „Heimat" ein. Doch auch der Begriff hat sich gewandelt. Ein Stückchen
Heimat haben wir auch unterwegs oft gefunden. Uns ist noch nicht nach Wurzeln
schlagen, wir genießen unser
Nomadentum. Inzwischen ist griechische Ostern, die Ankunft daheim wird uns entsprechend
versüßt.
Die
Sonne scheint, wir sitzen draußen. Pläne haben wir noch keine, wir wollen erst mal
in Ruhe ankommen.
|