ZA – Ach Afrika!
Geschrieben von Stefan Fischer   
Mittwoch, 5. März 2008
Die Route durch den Nordwesten Südafrikas hat uns gut gefallen. Schöne, karge Landschaften, geringe Bevölkerungsdichte. Uns steht nicht der Sinn nach einer quirligen Großstadt wie Kapstadt. Wir verabschieden uns von unseren drei Freuden, die nach Süden aufbrechen und fahren in die entgegengesetzte Richtung zurück.
Im Nordkap ist alles fest in Burenhand. In Springbok, der größten Stadt auf dem Weg zur Grenze, ist die Beschilderung nur in Afrikaans. Die Straßen sind gepflegt, die Gärten aufgeräumt. Alkohol gibt es nicht im Supermarkt, nur im „Drankwinkel" an der Ecke. Kirchtürme bestimmen die Skyline und die Dame im Internet-Cafe fällt fast vom Stuhl, als ich sie frage, ob auch Sonntag geöffnet ist. Also verzichten wir auf einen Aufenthalt und fahren weiter bis zum Oranje, dem Grenzfluß.

Unser nächstes Ziel ist der Richtersveld Nationalpark im äußersten Nordwesten Südafrikas. Bekannt für seine Abgeschiedenheit und seine geologische und botanische Vielfalt. Oder anders ausgedrückt, Off-Road pur zwischen Kakteen und malerischen Schluchten. Die Anfahrt ist langwierig, doch zum Glück gibt es seit letztem Jahr hier einen Grenzübergang zu Namibia per Fähre. Nun endlich verdient der Ai-As / Richtersveld Transfrontier Park, zu dem Richtersveld in Südafrika und der Fish River Canyon in Namibia gehören, auch seinen Namen. Vorher konnte man nämlich die Grenze im Park nicht überqueren. 
Als wir uns dem Parkeingang nähern haben wir allerdings nicht das Gefühl in einen Nationalpark zu fahren, eher in einen Tagebergbau. Aha, denken wir uns, hat hier der Uranpreis auch über den Nationalpark-Gedanken gesiegt. Doch weit gefehlt. Hier ist nach wie vor Diamantensperrgebiet. Dies schon seit langem, der Nationalpark kam erst 1991 dazu.
An der Rezeption werden wir mit vorwurfsvollem Blick gefragt, ob wir denn reserviert hätten. Nö, sollte man? Gnädig werden wir trotzdem eingelassen. Als wir später beim Verlassen des Parks nachfragen waren wir die einzigen Besucher in der ganzen Zeit!
Auf unsere Frage, wann denn die Fähre nach Namibia geht, gibt es die ernüchternde Antwort, gar nicht. Schlau werden wir aus der Erklärung nicht, entweder ist das Wasser zu hoch oder zu niedrig, jedenfalls geht sie nicht. Die Besichtigung vor Ort trägt auch nicht zur Aufklärung bei. Die Fähre liegt am Ufer fertig zur Abfahrt. Das nagelneue Abfertigungsgebäude steht da wie noch nie benutzt, doch weit und breit kein Mensch zu sehen. Auch wenn Fredl Fesl über Autos sang, kann man doch sinngemäß zitieren, „eine Fähre die nicht fährt, ist ihr Geld nicht wert".
Komisch, dass in Südafrika alle Schilder auf den Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Park hinweisen.
Komisch, dass auf namibischer Seite sich kein Hinweis darauf findet, sondern nur der Fish River Canyon ausgeschildert ist.
Komisch, dass im Oktober 2007 dieser Grenzübergang mit großem Presse-Tam-Tam eröffnet wurde.
Komisch, dass in demselben Jahr die Kulturlandschaft Richtersveld als UNESCO Welterbe aufgenommen wurde.
Komisch, dass auch die im letzten Jahr neu errichteten sanitären Einrichtungen schon nicht mehr funktionieren.
Ach Afrika!
Wundern würde es uns nicht, wenn für die UNESCO Bewerbung ausländische Projektgelder geflossen wären, auch Potemkinsche Dörfer müssen finanziert sein.

Nun werden aus 50 m Flussüberquerung doch wieder 400 km Umweg. Doch wie sagen die Südafrikaner immer so schön, „Make a plan, if it doesn't work, make another plan."
Diesel und Wasser haben wir ausreichend an Bord, als stürzen wir und erst einmal in den Park. Vieles ist hier nach der Hölle benannt, Höllenpass, Höllenberg, Höllenschlucht. Warum ist uns schnell klar, das Quecksilber steigt fix über 40°C. Wird sind froh, dass es nicht mehr ist, der Rekord im Richtersveld liegt bei 57°C im Schatten!
Wir genießen die Zeit hier. Absolute Ruhe (kein Wunder wir sind ja die Einzigen), malerisch gelegene Camps. Allerlei skurrile Sukkulenten- und andere Pflanzenarten. Vieles blüht durch die Regenfälle der letzten Wochen. Köcherbäume geben der Landschaft einen bizarren Touch. Sattes Grün am Oranje wechselt sich mit den rot-braun Tönen der Granitfelsen ab. Nachts wird die Landschaft durch den Vollmond erleuchtet und die Temperaturen sinken auf akzeptables Niveau.
Wir verabschieden uns von dem absolut empfehlenswerten Park. Die Fähre fährt noch immer nicht. Für unseren Umweg werden wir dafür auf der südafrikanischen Seite der Grenze mit einer rekordverdächtigen Abfertigung entschädigt. Keine fünf Minuten nach Ankunft rollen wir über die Oranje-Brücke weiter nach Namibia.

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