ZM – Und ich träumte von Käse...
Geschrieben von Stefan Fischer   
Samstag, 17. November 2007
Schon an der Grenze geht es in Sambia viel gemächlicher zu als in Malawi. Wir genießen die Ruhe und bleiben in Chipata nahe der Grenze erst einmal hängen. Ausspannen, nichts tun, Bücher lesen. Habe gerade Bill Brysons „Streifzüge durch das Abendland" in den Händen. Angeblich „Europa für Anfänger und Fortgeschrittene". An sich nicht wirklich beeindruckend. Doch hier am hintersten Zipfel von Sambia, nachdem wir seit Monaten nichts mehr auf dem Tisch hatten, was annähernd den Namen Käse verdient, wir das letzte köstliche Fleisch in Südafrika gegessen haben und froh sind um jeden Supermarkt, der eine Auswahl wie in der ehemaligen DDR bietet, gleichen die Beschreibungen von Bummeln in europäischen Großstädten mit ihren Cafes und Spezialitätenläden einem Orgasmus. Ich lasse mir Bryson's Beschreibungen auf der Zunge zergehen und genieße dazu die letzte Tüte löslichen Capuccinos aus einem Carepaket von Barbaras Schwester.

Im Gegensatz zu den bisherigen Ländern wird in Sambia besonders gerne der US-Dollar statt der eigenen Währung genommen. Doch für die Kleinigkeiten des Alltags sind auch sambische Kwacha notwendig. Insofern mache ich mit bei „Wer wird Millionär". Ist in Sambia ganz einfach. Der Gang zum Geldautomaten reicht und schon habe ich Zwei Millionen (Kwacha) in der Hand. Bin ich froh, dass der größte Schein ein 50.000er ist und nicht ein 500r wie in Malawi, sonst müsste man mit der Schubkarre anrücken. So schnell man es in der Hand hat, ist es auch schon wieder weg, einmal tanken kostet ne Million.

In Malawi haben wir die Vorboten gespürt, nun ist es endgültig soweit, die Regenzeit hat begonnen. Einen ordentlichen tropischen Regenguss haben wir gerade hinter uns. Die Straße zum South Luangwa National Park ist dennoch ganz passabel. Doch leider müssen wir hier erfahren, dass sowohl die berühmte „No. 5 Road" durch den Park auf das Escarpment, wie auch die sogenannte „Old Petauke Road" nach Süden, beides spannende 4x4 Routen, aufgrund des vielen Regens bereits Land unter bzw. im Morast versunken sind.
Der Beginn der Regenzeit hat auch sein gutes. Viele Tiere haben Nachwuchs und so sehen wir im Park Antilopenkitze, Äffchen und eine gerade mal eine Woche alten Elefanten. Der Sundowner auf der Abendpirschfahrt fällt zwar buchstäblich ins Wasser, dafür entdecken wir im Dunkeln verschiedene nachtaktive Katzen, darunter auch einen Leoparden.
Tagsüber sitzen wir bei fast 40°C am Ufer des Luangwa, möglichst bewegungslos, und schauen den Hippos bei ihrem Treiben zu. Viel treiben sie nicht. Sie lungern auch nur den ganzen Tag faul herum, immer wieder unterbrochen durch heftigstes Grunzen und Krakeelen. Erst in der Dämmerung bewegen sie sich phlegmatisch und schlurfen auf die Sandbänke zum Grasen. Unser Camp scheint den Glücktreffer gezogen zu haben, jede Nacht blitzt und donnert es heftigst um uns herum, doch bis auf ein paar verirrte Tropfen bleiben wir trocken. Wobei wir nichts gegen eine kurze Abkühlung hätten.

Frank, immer auf der Suche nach etwas, was er noch nicht gegessen hat, erzählt uns die Geschichte von einer Truppe Südafrikaner, die die Überpopulation an Flusspferden im Luangwa in den Griff kriegen sollen. Wir riechen schon die Hippo-Steaks auf dem Grill, aber die Jagd beginnt frühestens in einer Woche und so lange wollen wir nicht warten. Doch Frank hat bereits eine weitere Witterung aufgenommen, im nahegelegenen Ort soll es an der Tanke (!) Büffelfleisch geben. Unser Besuch dort bestätigt dies. Aber ist es nicht zu verkaufen. Es handelt sich vielmehr um eine private Einlagerung, da die Tanke die größten Gefriertruhen in der Gegend zu haben scheint. Als Eigentümer des etwas zerkleinerten Büffels entpuppen sich die Südafrikaner. Kurze Zeit später beschert uns Franks Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick eine ordentliche Portion Büffel für den Potje. In Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch wird er klein gekocht und ergibt ein köstliches Abendessen (Rezeptanfragen bitte an Barbara richten).


Link zum Fotoalbum ( South Luangwa National Park)
Link zum Fotoalbum (Zwischen Luangwa und Sambesi)
 
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