NA - Picknick in Angola
Geschrieben von Stefan Fischer   
Samstag, 30. Juni 2007

Nach tausenden von Kilometern Staubfressen kommt es uns wie eine Fatamorgana vor, als wir über den letzten staubigen Hügel fahren und plötzlich auf das palmenbewachsene Kunene-Tal und die Epupafälle blicken.

Wir campen direkt am Fluss, einen Steinwurf entfernt rauschen die Wasserfälle. Nachts erleuchtet der Vollmond das Grenzgebiet, das bis vor wenigen Jahren auch Schauplatz von Kämpfen und Rückzugsgefechten während des angolanischen Bürgerkrieges war.

Epupa lädt zum Verweilen ein. Geplant war nur ein Auffrischen der Vorräte, doch inzwischen sind wir schon einige Tage hängen geblieben. Dazu trägt auch die gute Einbindung der Himbas vor Ort bei. Keiner bettelt oder nervt, dafür werden geführte Wanderungen und andere Aktivitäten durch die Himbas angeboten, die der gesamten Community zu Gute kommen. Ein angenehmer Kontrast zum Verhalten vieler auf dem Weg hierher.

Zwei mit denen wir in Kontakt kommen sind Thom und Lukas. Mit Thom versuche ich, die angeblich so zahlreichen Krokodile entlang des Ufers aufzustöbern. Lukas schwärmt uns vom Wildwasserfahren auf dem Kunene vor. Wir entschließen uns für die Halbtagestour, die uns zuerst auf schlechter Piste (eine Stunde für sieben Kilometer) den Kunene flussaufwärts führt, wo wir die Boote zu Wasser lassen.

Auch Lukas warnt uns vor den Krokodilen. Dabei kommt mir ein Seminar in den Sinn, an das ich mich erinnere, „Schwimmen mit Delphinen“. Statt „Schwimmen mit Delphinen“ ist hier das Motto „Paddeln mit Krokodilen“.

Nach den ersten Stromschnellen nimmt Lukas plötzlich Kurs auf das rechte Kunene-Ufer, landet an und meint mit einem breiten Grinsen, „Welcome to Angola, let’s have a picknick.“ Angolanische Grenzer sind keine zu befürchten, die treiben sich nur bei niedrigem Wasserstand herum, wenn der Kunene zu Fuß zu überqueren ist. Die Strömung und die zahlreichen Krokodile sind derzeit Grenzpatrouille genug, meint Lukas.

Wir schießen um eine weitere Flussbiegung, durch uns aufgeschreckt stürzen sich zwei Vier-Meter-Krokodile vom Sonnenbad in die Fluten. Nichts ist von ihnen mehr zu sehen. Da fragt man sich schon, wie sicher sind Gummiboote auf dem Kunene?

Nach weiteren Kilometern wird Lukas hektisch, rudert in den linken Flussarm, deutet auf dem rechten und meint, „This way is the one-way-ticket to Epupa falls“. Klatschnass, aber zufrieden das Retourticket gelöst zu haben, legen wir kurz oberhalb der Wasserfälle am namibischen Ufer an.


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