|
Nach tausenden von
Kilometern Staubfressen kommt es uns wie eine Fatamorgana vor, als wir über den
letzten staubigen Hügel fahren und plötzlich auf das palmenbewachsene
Kunene-Tal und die Epupafälle blicken.
Wir campen direkt am Fluss,
einen Steinwurf entfernt rauschen die Wasserfälle. Nachts erleuchtet der
Vollmond das Grenzgebiet, das bis vor wenigen Jahren auch Schauplatz von
Kämpfen und Rückzugsgefechten während des angolanischen Bürgerkrieges war.
Epupa lädt zum Verweilen
ein. Geplant war nur ein Auffrischen der Vorräte, doch inzwischen sind wir
schon einige Tage hängen geblieben. Dazu trägt auch die gute Einbindung der
Himbas vor Ort bei. Keiner bettelt oder nervt, dafür werden geführte
Wanderungen und andere Aktivitäten durch die Himbas angeboten, die der gesamten
Community zu Gute kommen. Ein angenehmer Kontrast zum Verhalten vieler auf dem
Weg hierher.
Zwei mit denen wir in
Kontakt kommen sind Thom und Lukas. Mit Thom versuche ich, die angeblich so
zahlreichen Krokodile entlang des Ufers aufzustöbern. Lukas schwärmt uns vom
Wildwasserfahren auf dem Kunene vor. Wir entschließen uns für die
Halbtagestour, die uns zuerst auf schlechter Piste (eine Stunde für sieben
Kilometer) den Kunene flussaufwärts führt, wo wir die Boote zu Wasser lassen.
Auch Lukas warnt uns vor den
Krokodilen. Dabei kommt mir ein Seminar in den Sinn, an das ich mich erinnere,
„Schwimmen mit Delphinen“. Statt „Schwimmen mit Delphinen“ ist hier das Motto
„Paddeln mit Krokodilen“.
Nach den ersten
Stromschnellen nimmt Lukas plötzlich Kurs auf das rechte Kunene-Ufer, landet an
und meint mit einem breiten Grinsen, „Welcome to Angola, let’s have a
picknick.“ Angolanische Grenzer sind keine zu befürchten, die treiben sich nur
bei niedrigem Wasserstand herum, wenn der Kunene zu Fuß zu überqueren ist. Die
Strömung und die zahlreichen Krokodile sind derzeit Grenzpatrouille genug,
meint Lukas.
Wir schießen um eine weitere
Flussbiegung, durch uns aufgeschreckt stürzen sich zwei Vier-Meter-Krokodile vom
Sonnenbad in die Fluten. Nichts ist von ihnen mehr zu sehen. Da fragt man sich
schon, wie sicher sind Gummiboote auf dem Kunene?
Nach weiteren Kilometern
wird Lukas hektisch, rudert in den linken Flussarm, deutet auf dem rechten und
meint, „This way is the one-way-ticket to Epupa falls“. Klatschnass, aber
zufrieden das Retourticket gelöst zu haben, legen wir kurz oberhalb der
Wasserfälle am namibischen Ufer an.
Link zum Fotoalbum
|